Isik setzt weiter auf junge Wilde

Fußball-Verbandsliga: Frickenhausen vergrößert Kader, um körperlichem Raubbau zu begegnen

28.06.2010 © Auszug aus der Nürtinger Zeitung
  Uwe Bauer
„Wir brauchen nichts schönzureden“, sagt Murat Isik mit Blick auf die Abschlusstabelle der Verbandsliga Württemberg. Neunter ist der FC Frickenhausen geworden, der Trainer hatte Platz fünf ins Visier genommen. „Unterm Strich können wir nicht zufrieden sein“, fügt er hinzu, um den Blick aber gleichzeitig schon wieder nach vorne zu richten.

Nach dem grandiosen 3:0 gegen den damaligen Tabellenführer FSV 08 Bissingen Ende April hing der Frickenhäuser Fußballhimmel noch voller Geigen. Mit einer Vorstellung zum Zungeschnalzen weckte die Mannschaft von Murat Isik Hoffnungen von einem Spitzenplatz. Doch es kam anders. Wie in den beiden Jahren zuvor mussten die Kicker aus dem Neuffener Tal just in der Phase, als sie auf dem Sprung nach ganz oben waren, einer kräftezehrenden Runde Tribut zollen. Am Ende gingen regelrecht die Spieler aus, der FCF kam personell auf dem Zahnfleisch daher. Die Bilanz der letzten sieben Spiele: Drei Unentscheiden und vier Niederlagen. „Wir haben die letzten fünf Spiele komplett vergeigt“, weiß Isik, „und unser Ziel nicht erreicht.“

Die Verantwortlichen im Täle haben ihre Lehren daraus gezogen und reagiert. Damit sich dieses Szenario nicht wiederholt, wurde der Kader vergrößert. „Unsere Personalplanungen sind nahezu abgeschlossen“, ist der Trainer zufrieden. Elf Neuzugänge können die Frickenhäuser schon präsentieren, der Kader umfasst nun 26 Spieler. „Jetzt muss ich nicht mehr selbst eingreifen“, sagt Isik. Nur noch in der Zweiten will er aushelfen, wenn Not am Mann ist.

Der Kampf um die Stammplätze wird also unheimlich größer werden. Das ist ganz nach dem Geschmack des Trainers. „Ich bin mit dieser Personalplanung sehr zufrieden“, sagt Isik, „wir haben wieder junge, talentierte Spieler geholt.“ Einige davon, da ist sich der FCF-Coach sicher, melden gleich Ansprüche auf einen Stammplatz an. „Das hat es bei uns in der Form noch nie gegeben“, lacht er, „wir hatten noch nie so viele Neue, von denen ich von vornherein das Gefühl hatte, dass sie uns auf Anhieb weiterhelfen können.“ Und der Kern der Mannschaft, die am 5. Juli in die Vorbereitung startet, ist ja geblieben. Den FCF verlassen werden lediglich Alessandro di Martile (Spielertrainer TSV Wendlingen), Kim Laudage, Stefan Dieze (beide TuS Metzingen) und Antonio Portale, der als Spieler zum Bezirksligisten TSV Köngen wechselt.

„Wir haben wieder eine tolle Truppe beieinander“
FCF-Trainer Murat Isik

Eine weitere Maßnahme macht den FCF-Trainer glücklich: Um dem kräftemäßigen Raubbau entgegen zu wirken ist man mit dem Therapiezentrum Nürtingen eine Kooperation eingegangen. „Ich bin froh, dass uns das gelungen ist“, freut sich Murat Isik, „jetzt können wir einem möglichen Verschleiß auch vorbeugend entgegenwirken.“ Der FCF-Trainer sieht in dieser Zusammenarbeit mit medizinischen Fachkräften nur Vorteile: „Wir werden weniger Verletzte haben und können gezieltes Aufbautraining anbieten.“

Murat Isik ist überzeugt, „dass wir wieder eine tolle Truppe beieinander haben“. „Alle sind wieder junge Wilde“, freut er sich schon auf die neue Runde mit einem Team, das ein Durchschnittsalter von gerade Mal 23,1 Jahren aufweist. Martin Mayer, der spielende Co-Trainer, ist mit 28 Jahren der Älteste. „Ich will auf jeden Fall besser abschneiden“, gibt der FCF-Trainer schon mal die Richtung vor. Platz fünf ist wieder die Marke, die dem Trainer vorschwebt. „Weil wir mit dem größeren Kader jetzt besser reagieren können bin ich sicher, dass wir das schaffen können“, sagt er. Dass die Liga stärker werden wird, davon ist Isik überzeugt. Sechs Mannschaften sieht er ganz vorn: Aalen II, Neuling Heidenheim II, Ludwigsburg, Bissingen, Bonlanden und Ravensburg. „Dazu kommt noch ein Überraschungsteam.“ Vielleicht ist’s der FCF. „Wenn wir als Fünfter einlaufen, wäre das schon sehr, sehr gut“, sagt Murat Isik. „Diese Zielsetzung ist für unsere Verhältnisse fast zu hoch“, kommt er doch etwas ins Grübeln, „aber man muss sich hohe Ziele setzen.“

Seine Vorfreude ist jedenfalls groß, zumal die Rahmenbedingungen, zu denen auch der Kunstrasen zählt, viel besser geworden sind. „Wichtig ist, dass wir eine gute Rolle spielen“, sagt Isik, der seine Jungs bis zu sechsmal in der Woche schwitzen lassen wird. „Ich werde keinem Spieler mehr sagen, dass er mehr tun muss“, kündigt er an. Nur beim ersten Training wird er dieses Thema einmal ansprechen. Wer dann nicht spurt, sitzt auf der Bank. Und noch etwas liegt Isik am Herzen: „Wir müssen gezielt an den Standards gegen uns arbeiten. Da werden wir einiges umstellen.“ Rund 25 Gegentore haben die Frickenhäuser in der abgelaufenen Spielzeit nach Eckbällen oder Freistößen kassiert. Das wurmt Isik, der im November für vier Wochen an der Sporthochschule in Köln weilt, um die A-Lizenz zu machen, noch gewaltig.

Elf Neue verstärken den FC Frickenhausen

Fußball-Verbandsligist FC Frickenhausen hat seinen Kader deutlich aufgestockt und hofft, sich damit erfolgreich dem personellen Ausbluten gegen Ende der Saison entgegenstemmen zu können. Elf Neuzugänge stehen bereits fest.

Erdal Koyuncu: Der 26-jährige offensive Mittelfeldspieler kommt vom Kreisliga A-Verein SV Nefis Stuttgart, bei dem er ein Jahr spielte, sammelte zuvor aber schon bei den Stuttgarter Kickers und beim TSV Schwieberdingen Oberliga-Erfahrung. Er ist der erfahrenste Neue beim FCF.

Fatih Özkahraman: Der 21-jährige Vollblutstürmer kehrt vom Oberligisten TSG Balingen zurück und gilt als großer Hoffnungsträger, der die Angriffsflaute beheben soll.

Manuel Horeth: Der 22-Jährige kommt vom Oberligisten VfL Kirchheim, ist schnell und dynamisch und im defensiven Mittelfeld flexibel einsetzbar.

Armin Ohran: Der 21-Jährige kommt vom VfL Kirchheim und könnte als sehr ballsicherer und mit einer guten Übersicht ausgestatteter Spieler die Sechser-Position vor der Abwehr ausfüllen. Isik setzt in ihn große Hoffnungen.

Marco Sumser: Der 21-Jährige wohnt in Mittelstadt und schoss in der letzten Saison für den Landesligisten SF Isingen (Staffel 4) 18 Tore. Im Probetraining hat er einen guten Eindruck hinterlassen.

Lukas Unsöld: Der 21-Jährige kommt vom Landesligisten TSV RSK Esslingen und ist für die rechte oder linke Außenbahn vorgesehen.

Jan Zajfert: Der 19-jährige Linksfuß kommt vom Landesligisten VfL Sindelfingen (Staffel 3), spielt hinten links und gilt als schnell und dynamisch.

Andreas Elsäßer: In Owen wohnt der 19-jährige Abwehrspieler, der in der letzten Saison beim Landesligisten SSV Ulm 1846 II spielte und sowohl rechts als auch links einsetzbar ist.

Anton Zovko: Das 18-jährige Talent kommt von der A-Jugend der SpVgg 07 Ludwigsburg und ist für die Vierer-Abwehrkette vorgesehen.

Florian Hekele: Der 18-Jährige stand bei den A-Junioren des VfL Kirchheim zwischen den Pfosten.

Patrick Weigl: Der 20-Jährige stammt aus Obertürkheim, hütete aber das Tor bei der zweiten Mannschaft des Karlsruher SC und zieht jetzt wieder zurück in seinen Heimatort.



Diese Seite versenden zurück